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Wie kommt man vom Sport-Ruderboot auf das Rennrad? Wie kann man sechs Tage pro Woche trainieren, wenn man gleichzeitig Medizin studiert und im Krankenhaus arbeitet? Und welche Rolle spielt die ULTEGRA 12-fach Schaltung im Training? Diese Fragen hat uns die Bundesliga-Fahrerin Hannah Fandel vom Radsport-Team Team Stuttgart beantwortet.

Ihre Wurzeln hat die 27-jährige Sportlerin allerdings nicht im Rad-, sondern im Rudersport. Doch auf dem Wasser trifft man sie nur noch selten an. Seit ihrem Umzug nach Tübingen ist ihr favorisiertes Terrain die Straße.

Vom Rudern zum Radsport

„Ich komme ursprünglich aus dem Saarland und habe dort auch mit dem Rudern begonnen. Wenn ich mal daheim zu Besuch bin, dann gehe ich da auch noch mal Rudern. Aber es ist mittlerweile ein reines Hobby geworden. Ansonsten laufe ich auch gerne, vor allem im Winter.“

Das Radtraining in der kalten Jahreszeit stellt viele Radsportler vor große Herausforderungen. Rollentrainer sind mittlerweile zwar gleichermaßen smart wie erschwinglich, doch Hannah Fandel zieht die frische Luft vor – auch, wenn die Temperaturen sinken:

„Ich versuche, so viel Zeit wie möglich an der frischen Luft zu verbringen – auch im Winter. Wenn das Wetter es zulässt, bin ich auf dem Rad unterwegs, bei viel Schnee auch gerne auf Langlaufskiern. Ich bin kein großer Fan vom Training „auf der Rolle“, aber wenn es nicht anders geht, trainiere ich natürlich auch drinnen.“

Radrennen für Frauen werden immer populärer. Mit dem Giro d'Italia Donne, der  Tour de France Femmes und anderen gibt es mittlerweile auch die großen Rundfahrten in einer Damenversion. Aber wie unterscheiden sie sich von der Herrenversion?

Unterschiede Frauen- und Männerradsport...

„Die professionellen Rennen für Damen werden immer länger, da man versucht, sie denen der Männer anzugleichen. Mittlerweile gibt es schon viele Rennen, die 150 Kilometer lang sind.“ 

Dass die Herren oft über 200 Kilometer in einem Rennen oder in einer Etappe fahren, macht Sinn, findet Fandel:

„Das Fahrerfeld bei den Männern ist in der Regel größer und mit einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs. Deswegen ist okay, wenn die Frauen dann ein bisschen weniger fahren und dann insgesamt ähnlich lange unterwegs sind.“

Doch nicht nur bei den großen Rundfahrten entwickelt sich der Rennsport rasant. Auch bei kleineren Veranstaltungen wird die Leistungsdichte im Peloton immer höher, wie Fandel beobachtet hat:

„Auch bei kleineren regionalen Rennen sind immer mehr Frauen am Start und die Leistungsdichte wird immer größer. Waren es in den letzten Jahren immer ca. 15 Fahrerinnen, die für den Sieg in Frage kamen, sind es mittlerweile eher 50, die auf sehr hohem Niveau unterwegs sind – darunter auch viele sehr junge Fahrerinnen. Und wenn jetzt 18 Jährige schon so stark fahren, ist es natürlich interessant, wie es dann in fünf Jahren aussieht.“

Hannah liebt die Berge!

Wenn Hannah Fandel selbst am Start ist, dann am liebsten mit vielen Höhenmetern: Sie liebt die Berge. Leider gibt es nicht viele Rennen, in denen sie diese Qualität ausspielen kann: 

„Gerade bei den kleineren Veranstaltungen gibt es noch nicht so viele Rennen, in denen man seine Kletterfähigkeiten ausspielen kann. Aber ich glaube, das kommt alles noch.“

Generell sieht Hannah Fandel im Rennkalender noch Luft nach oben: 

„In Deutschland füllt sich der Rennkalender für Damen allmählich: Neben der Lotto Thüringen Ladies Tour gibt es seit 2023 mit dem Women Grand Cycling Prix Stuttgart und der Tour de Berlin zwei weitere hochkarätige Veranstaltungen. Im Vergleich zu Frankreich oder Spanien gibt es aber noch deutlichen Nachholbedarf, was Radsportrennen für Frauen angeht.“

Für das Interview erreichen wir die Medizinstudentin kurz nach 20 Uhr im Krankenhaus – kurz nach Ende ihrer Schicht. Wie bleibt da noch Zeit für das Training? Wie bewältigt sie die Dreifachbelastung aus Radsport, Beruf und Studium? Für Fandel ist die Antwort einfach:

„Man muss schon ziemlich diszipliniert sein. Im Sommer geht es direkt nach der Klinik aufs Rad, um zu trainieren. Bei frühem Arbeitsbeginn sind so am Abend noch vier Trainingsstunden möglich.“ 

Studium, Medizin & Radsport: Alles unter einen Hut bringen!

Neben Disziplin kommt Hannah Fandel auch ihr Organisationsgeschick zugute: 

„Im Winter hatte ich das Glück, dass ich mein Praxissemester in Südfrankreich absolvieren konnte. Milde Temperaturen und weniger Regenstunden als in Deutschland haben das Training natürlich erheblich erleichtert.“

Aber wie sieht ein Arbeits- und Trainingstag der Sportlerin konkret aus? Wir haben Hannah Fandel gefragt:

„Ich stehe meistens um sechs Uhr auf, mache anschließend einige Stabilitätsübungen, frühstücke und dann geht es um viertel nach sieben in die Klinik. Nach der Mittagspause geht es entweder in den Unterricht oder ich bleibe in der Klinik. Zwischen 16 und 17 Uhr mache ich Feierabend. Dann geht es direkt aufs Rad. Gefahren wird, was im Trainingsplan steht – in der Regel zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden. Wenn ich mit dem Training fertig bin, folgen Einkaufen, Hausarbeit, Abendessen und Lernen. Im Sommer geht es aber auch schon mal vor der Arbeit für zwei Stunden aufs Rad, wenn Wetter und Terminkalender es zulassen.“ 

Dieses Programm spult Hannah Fandel an sechs Tagen in der Woche ab. Großer Einsatz, doch mit welchem Ziel? Ist eine Profikarriere für die 27-Jährige ein Thema?

„Ja, das war schon immer mein Ziel. Leider kamen dann verschiedene Verletzungen dazwischen, auch dieses Jahr.“

Rückschläge im Sport & Abschluss des Studiums

Nachdem sich die Sportlerin bei einem Sturz in einem Rennen in Tschechien eine Fraktur des Schulterblatts zuzog, war sie bereits auf dem Weg der Besserung, als sie von einem komplexeren Problem ausgebremst wurde:

„Schon seit einigen Monaten hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Aber das Training lief gut und auch die verpflichtende medizinische Untersuchung für Athleten zeigte keinerlei Auffälligkeiten. Doch ein Langzeit-EKG zeigte dann Herz-Rhythmus-Störungen, die während hohen Belastungen oder Hitze auftreten. Für mich eine ungewohnte Rolle: Statt in der Kardiologie zu arbeiten, war ich auf einmal Patientin dort.“

Glücklicherweise konnte mittlerweile durch eine OP ausgeschlossen werden, dass die Beschwerden gefährlich für die Athletin sind. Doch solange die Ursache nicht gefunden ist, muss Fandel pausieren. Im Oktober ist ein weiterer Eingriff geplant, um die Herzrhythmusstörungen zu beseitigen.

Doch auch ohne Verletzungspech liegt Fandels Fokus in diesem Jahr klar auf dem Studium:

„Mein Ziel ist es, mein Studium in diesem Jahr abzuschließen. Dann habe ich den Abschluss als Ärztin. Die letzten Jahre bestanden aus Studium und Radsport. Aus finanziellen Gründen wäre es sinnvoll, mit dem Beruf zu beginnen.“

Das Geld ist ein großes Thema im Radsport. Auch, wenn das Material gestellt wird, bleibt es für die meisten Fahrerinnen ein teures Hobby. Auch wegen des hohen Zeitaufwands.

Im ersten Jahr, das war 2019, hatte ich über 40 Renntage, in den „Corona-Jahren“ dann natürlich weniger. Zusätzlich zu den eigentlichen Renntagen kommt natürlich die An- und Abreise. Die Rennen finden nicht nur am Wochenende statt, sondern auch mal unter der Woche. Das lässt sich mit einem Job teilweise nur sehr schwer vereinbaren – schon gar nicht, wenn man im Krankenhaus arbeitet.

Fahrradtechnik

Studium, Job, Training: Hannah Fandel hat alles im Griff. Aber wie sieht es aus, wenn es mal ein Problem an einem ihrer Fahrräder gibt?

„Ich versuche schon, das meiste einfach selber zu machen, weil ich nicht gerne auf die Hilfe anderer angewiesen bin. Ich bin zwar nicht die begabteste Handwerkerin, aber in vielen Fällen kann man sich selbst helfen.“ 

Kein Wunder, dass Hannah Fandel sich am liebsten selbst um ihre Räder kümmert, denn ihr Fuhrpark kann sich sehen lassen:

„Aktuell besitze ich sieben Räder und noch ein zusätzliches Stadtrad, das ich gerade versuche zu verkaufen. Also acht Räder. Und ein Einrad, wenn man das noch dazu zählt.“

Mit der neuen ULTEGRA Di2 12-fach unterwegs

Ihr Teamrad vom Team Stuttgart ist mit der ULTEGRA Di2 12-fach ausgestattet. Für Hannah Fandel sind die Unterschiede zur Vorgängerversion zwar nicht groß, aber durchaus spürbar.

„Die neue ULTEGRA fühlt sich gleich vertraut an, aber der Schaltvorgang ist noch präziser und schneller.“

Als Bergfahrerin sammelt Fandel auf ihren Trainingsfahrten ca. 1.000 Höhenmeter auf 50 Kilometer ein. Dementsprechend hat sie ihre Übersetzung gewählt:

„Hinten fahre ich gerne das 34er Ritzel als kleinsten Gang, vorne ein 36er und 52er Kettenblatt. Rund um Tübingen gibt es nur wenige flache Strecken. Im Schwarzwald, wo ich mittlerweile wohne und häufig trainiere, sind die Anstiege manchmal schon relativ steil und ich versuche, sie mit einer höheren Trittfrequenz hoch zu fahren. 

Ein weiteres Feature, das die Sportlerin an der ULTEGRA Di2 begeistert, sind die frei konfigurierbaren „Hoods“ an den Brems-/Schaltgriffen. Mit den Tasten auf den Hörnchen der STIs kann man nämlich nicht nur die Anzeige kompatibler Computer durchscrollen, sondern man kann ihnen auch bevorzugte Schaltaufgaben zuweisen. 

„Für mich optimal, da ich so die beste Position halten kann, wenn ich z.B. in einer Fluchtgruppe unterwegs bin. So kann ich mich aerodynamisch positionieren und trotzdem jederzeit schalten. Die Schalttasten haben mir auch schon ein Rennen gerettet, nachdem die Schalthebel durch einen Sturz nicht mehr funktionierten.“

Wir drücken Hannah Fandel die Daumen, dass sie bald wieder an der Startlinie steht!

Mehr über sie könnt ihr auch auf ihrem Instagram-Kanal erfahren.

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